Auf dem Weg
Samstag, April 26th, 2008
Die Sachen sind gepackt. Die Möbel sind verstaut. Wir haben uns von allen Freunden und Verwandten verabschiedet und sind startklar. Man sagt, dass beim Fliegen die einzigen gefährlichen Momente der Start und die Landung sind. Wenn die Motoren auf voller Kraft laufen und die Räder rollen, alle Klappen auf „Start” eingestellt sind, dann gibt es für den Piloten kein Zurück mehr. Genauso fühlt es sich jetzt an. Wir „rollen auf der Startbahn”. Kein Halten mehr.
Ein paar Beobachtungen unserer letzten Tage in Frankfurt beim Weiterlesen.
Als unsere Gäste der Abschiedsfeier letzten Freitag sagten: „Oh je, das wollt ihr noch alles in einer Woche schaffen”, wurde mir schon ein bisschen mulmig. Aber im Brustton der Überzeugung haben wir allen getrotzt und lächelnd „Ja klar, kein Problem” gesagt. (Danke übrigens nochmal an Alle, die von nah und fern gekommen sind. Es war ein schönes Fest mit euch)
Heute weiß ich: Wenn ich jemanden von euch da draußen, der etwas ähnliches plant einen Tipp geben kann: Plant eure Vorbereitung gut - und nehmt euch dann noch drei Tage extra.
Mittlerweile haben wir alles geschafft - alles auf die letzte Sekunde. Unsere Möbel sind eingelagert und wir wissen jetzt, dass wir 37m³ Hausrat haben (in einen Standard 7,5t LKW passen übrigens 35m³). Wir wissen, dass man den kompletten Hausrat zu zweit in ca. 1 Woche gut und sicher verpacken kann, wenn man nicht viel anderes macht. Wir wissen, dass man für das Beladen eines LKWs (wenn man es selbst mit Helfern macht, die keine Umzugsprofis sind) mindestens 3-4 Stunden rechnen muss. Und wir wissen jetzt, wie es sich anfühlt, aus einer Wohnung auszuziehen und nirgends wieder einzuziehen.
Ein neues Gefühl für mich. Zum ersten Mal in meinem Leben bin ich ohne einen einzigen Schlüssel. Kein Wohnungsschlüssel mehr, kein Autoschlüssel, kein Fahrradschlüssel, kein Büroschlüssel. Ich bin “wohnungslos”, Vagabund - frei. Mit allen Konsequenzen wie der freien Entscheidung, wo ich morgen sein werden aber auch der Gewissheit, dass die Dinge in den Kartons für mindestens ein Jahr nicht mehr zur Verfügung stehen. Das Schreiben von der Versicherung, das Taschenmesser, das ich gern noch mitgenommen hätte, meine Lieblingsjacke, Erinnerungsstücke und alle anderen Gegenstände, mit denen man sich ein Leben zusammenbaut - nicht mehr verfügbar.
Wie wahrscheinlich jeder in der westlichen Welt definiere auch ich mich zu einem gewissen Teil darüber, mit welchen „Dingen” ich mich umgebe. Welche Bücher stehen im Regal? Auf welchen Möbel sitze ich? Welche Kleidung trägt man? Auf das Alles habe ich jetzt verzichtet und bin mit nur 18kg Gepäck unterwegs. Meine Frankfurter Existenz ist zunächst beendet. Ich bin jetzt nicht mehr “der aus dem Nordend”, “der Marketingmensch von ARCADIS”. Jetzt bin ich “Frank auf Reise”. Als ich gestern Abend im Hotel in Frankfurt die Meldekarte ausfüllen musste, wurde mir deutlich: Meine “permanente Aufenthaltsadresse” existiert nicht mehr.
Auf dem Weg. In 6 Stunden geht der Flug. Ich liege jetzt um 6:00 Uhr früh wach im Hotel, kann nicht mehr schlafen, schreibe diesen Text. Jetzt geht es los. Die Motoren sind gestartet, die Räder rollen. Die Nase des Fliegers hebt sich langsam…. Kein Zurück mehr.
Jörg sagte,
4. Juli 2008 @ 17:53
Grins, das Gefühl kenne ich. Bin 1995 für 6 1/2 Jahre in die USA gezogen. Alles in Deutschland verkauft/verschenkt/verliehen (lach, das ist besonders gut, lach).
Es hat (aus der heutigen Sicht) einen Heiden Spass gemacht, war aber auch sehr Aufregend.
Ich Verstehe einige der Emotionen, wenn man feststellt das man hier in Deutschland “plötzlich” keinen “festen” Wohnsitz mehr hat.
Aber ich würde/werde es bestimmt nochmal so machen, nur ein bisschen Organisierter.
Jörg
Andrea sagte,
27. April 2008 @ 17:54
Jetzt bin ich aber platt. Hieß es nicht Sie fliegen erst Anfang Mai? Oder ist schon Mai und ich habe etwas verpasst? Na dann, inzwischen sind Sie bestimmt schon irgendwo gelandet. Wir werden es verfolgen!
Sehr spannend….
Andrea