Borobodur - ein antikes Stein-Mandala
Freitag, August 21st, 2009Auf unserer Reise haben wir so einige Orte besucht, die von der Unesco als „Weltkulturerbe” gelistet sind. Da waren wir in Mexico bei der großen Pyramide in Chichen Itzah, am Machu Picchu in Peru und so einigen Orten in Indien. Diese Besuche waren immer beeindruckend und haben uns gezeigt, zu welchen unglaublichen Leistungen sich Kulturen überall auf der Welt aufgeschwungen haben, meistens um ihrer Religion ein großes Denkmal zu setzen. Ein großes buddhistisches Denkmal hatten wir allerdings noch nirgends gesehen, wir waren schließlich in noch keinem buddhistischen Land. Dass wir das welt-größte buddhistische Monument - natürlich auch ein „Weltkulturerbe” - ausgerechnet im muslimischen Indonesien (und dann auch noch im muslimischsten Teil, auf Java) zu sehen bekommen, hat uns doch gewundert.
Vor vielen Jahren gab es auf Java, der indonesischen Hauptinsel, tatsächlich mal eine buddhistische Minderheit, das muss so um 780 n.C. gewesen sein. Diese Leute haben einen Tempel gebaut, der in seinen kompletten Ausmaßen eigentlich nur aus der Luft zu würdigen ist - von oben wirkt er nämlich wie ein steinernes Mandala oder eine Blume. Doch nur kurz währte die Zeit der Buddhisten auf Java, schon etwa 100 Jahre nach Fertigstellung fing das große Bauwerk an zu verfallen. Und wie das in den Tropen mit solchen „ungepflegten” Bauwerken ist, wuchs der ganze Koloss recht schnell zu (und wurde vergessen). Erst im späten 19. Jahrhundert haben Archäologen Borobodur wieder entdeckt. Zum Ausgraben gab es damals aber weder Mittel noch geeignetes Werkzeug und der Schutz solcher Kulturgüter war damals auch noch nicht möglich. So begannen auch hier die überall üblichen Plünderungen, erst seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde der Diebstahl der Steine, Figuren und wundervollen steinernen Wandbilder gestoppt. Noch heute befinden sich viele der schönsten Elemente Borobodurs in privaten Sammlungen auf der ganzen Welt.
Doch mit Hilfe der Unesco und mit viel Geld des indonesischen und holländischen Staates wurde das beeindruckende Monument mittlerweile weitestgehend wiederhergestellt. Das muss eine Puzzlearbeit ersten Ranges gewesen sein, denn viele der Steine und Figuren waren auseinander gefallen, weit im Gelände verstreut oder unvollständig. Millionen wurden bis heute investiert und bis heute puzzeln die Archäologen.
Was wir nach einer langen Fahrt mit Moped durch den wilden indonesischen Verkehr vorgefunden haben, ist ein vorbildlich gepflegtes „Weltkulturerbe”. Wir haben zwar nicht den ganzen „offiziellen” Pilgerweg absolviert (das hieße: Vom Osteingang angefangen im Uhrzeigersinn alle sieben Etagen des Monuments von unten nach oben meditierend aufsteigen - im ganzen über 5km Weg). Aber trotzdem hat uns diese steinerne Blume mit den glockenförmigen „Stupa” - genannten Steindächern für die vielen Buddhafiguren schwer beeindruckt. Und gut fürs Karma ist’s allemal, ein solches Monument zu besuchen.
Biertischgarnitur Tischler sagte,
4. Januar 2010 @ 23:08
Wahnsinn, manchmal wünschte ich, ich wäre Maurer und Architekt geworden. Ich liebe diese Bauwerke am liebsten hätte ich so eins als Haus.