Ein Dorffest in Beli
Dienstag, August 18th, 2009Wenn schon in die Dörfer, dann richtig. Nachdem wir am Tag zuvor in Bena dabei sein durften, als die Bewohner einen neuen “Ngadhu” geschnitzt haben (das Sonnenschirm-artige Familientempelchen für die männlichen Ahnen), waren wir natürlich Feuer und Flamme als wir hörten, in einem anderen Dörfchen gebe es heute eine Zeremonie für den Neubau eines “Bagha”, dem Häuschen für die verstorbenen Mütter und Großmütter. Spannende Sache. Aber noch spannender als den Männern beim Hausbau zuzusehen war es, mit dem ganzen Dorf einen Teil der “Begleitzeremonie” mitzuerleben. Denn das bedeutet: 3 Tage (und Nächte) lang Tanz. Doch dafür müssen wir in eine Gegend fahren, in die sich normalerweise kein Besucher verirrt.
Da wir uns ganz gerne abseits der normalen touristischen Pfade bewegen, genießen wir immer die Tage an denen wir uns mit dem Moped vom “Banana-Pancake”-Trail entfernen. Dabei verfahren wir uns zwar permanent (und müssen uns mit unzureichenden Karten oder mit unseren (zusammen) 22 Worten indonesisch irgendwie durchfiddeln), haben aber gerade dabei ein paar unglaublich schöne Aussichten und Erlebnisse sammeln können. Hier um Bajawa herum gab es eine große Menge von beiden.
Die vulkanische Landschaft von Flores ist für sich bereits ein guter Grund, staunend über die holprigen Straßen zu fahren. Immer wieder steht da ein perfekt geformter Vulkankegel, und egal wohin man schaut: schroffe Berge und tiefe Täler zeugen von der feurigen Vergangenheit der Insel. Man glaubt gar nicht, wie rau es hier zugegangen ist, wo doch der Name Flores so lieblich klingt. Dass diese Erdgewalt längst noch nicht befriedet ist, konnten wir bei einem (äußerst anstrengenden) Aufstieg zu einem der Vulkane südlich von Bajawa sehen: Wie aufgerissen sieht Landschaft hier aus, nur ein paar dürre Baumstämme stehen als stille Zeugen des letzten gewaltigen Ausbruchs herum. Unser Führer sammelt Magnesium- und Schwefelbrocken auf und berichtet gestenreich auf indonesisch von der gewaltigen Explosion, die hier erst vor wenigen Jahren stattgefunden hat. Nicht schwer, sich hier diese Gewalt des Vulkans vorzustellen.
Nach langem Herumfahren und häufigen Fragen nach dem Weg kommen wir endlich in Beli an, einem winzigen Dörfchen nah an einem rauchenden und schwefelig riechendem Gebiet. Touristen gibt es hier eigentlich nie, umso freundlicher werden wir begrüßt und eingeladen, ein Weilchen dabei zu sein. Die Zeremonie des Hausbaus hatte bereits am Morgen begonnen und man konnte bereits die Struktur entstehen sehen. Doch anders als beim Hausbau in Europa (da haben wir ja beide so unsere Erfahrungen) reicht das bloße Bauen hier nicht aus. Der Prozess dauert insgesamt drei Tage, erfahren wir und braucht alle Dorfbewohner. Es wird gemeinsam gebaut, gegessen und alle Bewohner sind während dieser drei Tage beteiligt. Viele scheinen die ganze Zeit beim Bau zu bleiben und der Dorfälteste darf in dieser Zeit nicht schlafen. Musik ist dabei wichtig, wer kann, spielt mit, schlägt die Gongs oder Trommeln.
Zu dieser Musik wird fast die ganze Zeit getanzt – zu Ehren der Ahnen, für die das Häuschen gebaut wird. Gemessenen Schrittes bewegen sich die Menschen in immer wieder neu entstehenden Tanzgruppen über die Wiese, heben die Arme zum Himmel und schwenken elegant die gebatikten oder gewebten Tücher. Jung und alt tanzt mit, Männer genauso wie Frauen. Wer müde wird, ruht sich aus, ein anderer Tänzer oder eine andere Tänzerin übernimmt den Platz. Auch uns wurde eine Tracht zum Mittanzen angeboten aber so weit hat unser Mut dann doch nicht gereicht. Wer weiß, ob unser ungelenken Schritte nicht die Ahnen dauerhaft verärgert hätte. Hastenichtgesehen gibt’s den nächsten Vulkanausbruch.
Auch wenn es sehr schön in Beli war und uns die Dorfbewohner gerne noch dabei behalten hätten, haben wir uns nach ein paar Stunden dann doch verabschiedet. Denn weder hatten wir große Lust auf drei Tage ohne Schlaf, noch wollten wir beim abschließenden Opfern eines Wasserbüffels unbedingt dabei sein.
kati sagte,
20. August 2009 @ 13:05
uii du hast ja ganz lange haare gekriegt muumie!
da binich ja gespannt..ai was freu ich mich auf euch morgen!